Gebetszeiten

Aus sicherlich mehreren Aḥādīth zu diesem Thema möchte ich einen der ausführlichsten zitieren:

Von Ibn ʿAbbās (ra): Allāhs Gesandter (sas) hat gesagt: „Ǧibrīl (as) hat mich zweimal beim Hause [die Kaʿba in Makka] [im Gebet] geleitet, und er betete Ẓuhr [Mittagsgebet] mit mir, als die Sonne sich so weit wie ein Sandalenband gesenkt hatte, und er betete ʿAṣr [Nachmittagsgebet] mit mir, als die Schatten so lang wie die Gegenstände [selbst] waren, und er betete Maġrib [Abendgebet] mit mir, wenn der Fastende sein Fasten bricht, und er betete ʿIšā’ [Nachtgebet] mit mir, als die Dämmerung vergangen war, und er betete Faǧr [Morgengebet] mit mir, wenn dem Fastenden Essen und Trinken verwehrt sind. Am nächsten Tag betete er Ẓuhr mit mir, als sein Schatten so lang [wie er selbst] war, und er betete ʿAṣr mit mir, als sein Schatten zweimal so lang [wie er selbst] war, und er betete Maġrib mit mir, wenn der Fastende sein Fasten bricht, und er betete ʿIšā’ mit mir, als ein Drittel der Nacht [vergangen war], und er betete Faǧr mit mir, als [die Morgenröte] erstrahlte. Dann wandte er sich mir zu und sagte: ,O Muḥammad, dies sind die Zeiten der Propheten vor dir, und die Zeiten [der fünf täglichen Gebete] sind [jeweils] zwischen diesen beiden Zeiten.’“ (Überliefert von Abū Dāwud und Tirmidhiyy)

Dieser Ḥadīth ist sehr ausführlich, er gibt die Zeitspannen für die fünf täglichen Gebete an und die Zeitpunkte sind zum Teil astronomisch definiert, für Faǧr und Maġrib wird zum Teil Bezug auf das Fasten genommen. In diesem Fall hilft uns der heilige Qur’ān weiter, in dem steht:

„… und esst und trinkt, bis für euch der weiße Faden vom schwarzen Faden der Morgendämmerung klar geworden ist, dann erfüllt das Fasten bis zur Nacht…“ (al-Baqara, 2:187, Übertragung nach A.v.Denffer)

Wichtig ist in diesem Zusammenhang dann auch noch der folgende Ḥadīth:

ʿAdiyy Ibn Hātim (ra) berichtete: „Als der Qur’ānvers ,… bis für euch der weiße Faden vom schwarzen Faden der Morgendämmerung klar geworden ist…’ (2:187) offenbart wurde, nahm ich einen weißen und einen schwarzen Strick und legte die beiden unter mein Kopfkissen. In der Nacht verglich ich laufend die beiden gegeneinander und habe den Farbunterschied nicht erkannt. Als der Morgen anbrach, suchte ich den Gesandten Allāhs (sas) auf und erzählte ihm dies. Er sagte zu mir: ,Damit ist nur die Finsternis der Nacht und die Helligkeit des Tages gemeint!’“ (Überliefert von Buḫāriyy)

Definition der Zeitpunkte

Nach diesen Vorbereitungen kann man jetzt die im ersten Ḥadīth genannten Zeitpunkte genauer astronomisch definieren. Ich beginne mal mit den einfacheren Fällen:

Ẓuhr (Öğle Namazı, Mittagsgebet)

Astronomischer Mittag ist dann, wenn die Sonne im Süden am höchsten am Himmel steht. Dieser Zeitpunkt ist abhängig vom Längengrad des Beobachters, für jeden Längengrad weiter westlich ist der astronomische Mittag vier Minuten später. Außerdem schwankt dieser Zeitpunkt für einen festen Beobachtungsort im Laufe eines Jahres um bis zu ca. 20 Minuten um einen Mittelwert herum (Fachbegriff: Zeitgleichung), Ursache ist die periodisch veränderliche Geschwindigkeit der Erde auf ihrer elliptischen Bahn um die Sonne herum, während die Rotationsgeschwindigkeit der Erde um sich selbst konstant bleibt. Wie der erste Ḥadīth sagt, wird das Mittagsgebet nicht direkt zum Zeitpunkt des astronomischen Mittags verrichtet, sondern eine kurze Weile danach (um sich von heidnischen Sonnenanbetern abzugrenzen). Diese kurze Weile danach, wenn sich „die Sonne so weit wie ein Sandalenband gesenkt“ hat, lässt sich nicht wissenschaftlich exakt definieren. In den erhältlichen Gebetskalendern wird da oft (ohne näheren Hinweis darauf!) einfach willkürlich 5 Minuten zum astronomischen Mittag addiert. Man sollte sich aber immer bewusst sein, dass das eine reine Konvention ist, diese fünf Minuten sind nirgends definiert, es könnten genauso gut z.B. sechs oder sieben oder fünfeinhalb sein.

ʿAṣr (Ikindi Namazı, Nachmittagsgebet)

Beginn des Zeitraums für ʿAṣr ist, wenn der Schatten eines Gegenstandes so lang ist, wie der Gegenstand selbst. In Makka steht die Sonne im Sommer mittags im Zenit, in nördlicheren Breiten steht aber die Sonne manchmal so flach am Himmel, dass der Schatten mittags schon länger ist, wie der Gegenstand. Eine wirklich geniale Erweiterung von Ǧibrīls (as) Anweisung ist daher, dass man sagt: Beginn des Zeitraums für ʿAṣr ist, wenn der Schatten eines Gegenstandes einmal um die Länge des Gegenstandes länger ist, wie der Schatten des Gegenstand selbst am Mittag. Diese „Formel“ funktioniert überall auf der Welt und sie beinhaltet natürlich den „Sonderfall“ von Makka, wenn nämlich ein Gegenstand am Mittag überhaupt keinen Schatten wirft. Ebenso lässt sich dann das Ende des Zeitraums für das ʿAṣr-Gebet definieren als dann, wenn der Schatten eines Gegenstandes zweimal um die Länge des Gegenstandes länger ist, wie der Schatten des Gegenstand selbst am Mittag (Anmerkung: Ḥanīfitische Rechtsschule beginnt dann z.T. erst das ʿAṣr-Gebet). Nach dieser Formel lassen sich weltweit die Zeiten für die ʿAṣr-Gebete astronomisch exakt auf die Minute berechnen.

Maġrib (Akşam Namazı, Abendgebet)

Auch hierfür lässt sich der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs astronomisch exakt berechnen. Zu beachten ist aber der Effekt der Refraktion, was bedeutet, dass die Lichtstrahlen beim Durchlaufen der Atmosphäre gekrümmt werden. Das wirkt sich nur merklich aus, wenn die Lichtstrahlen einen sehr weiten Weg durch die Atmosphäre nehmen, aber das tun sie gerade beim Sonnenuntergang. Der Effekt ist so groß, dass die Sonne in Wirklichkeit schon ganz untergegangen ist, wenn scheinbar gerade ihr unterer Rand den Horizont berührt (Hört sich etwas verrückt an, aber man kann versuchen sich vorzustellen, dass die Lichtstrahlen hinter den Horizont gekrümmt sind, unser Auge bzw. Gehirn aber natürlich davon ausgeht, dass sie gerade verlaufen, und dadurch erscheint das, was schon unter dem Horizont ist eben noch darüber). Dieser Effekt ist nicht absolut stabil, sondern von Temperatur, Luftdruck usw. abhängig. In den Gebetskalendern wird dieser Effekt in der Regel näherungsweise, aber mit ausreichender Genauigkeit berücksichtigt. Ein weiterer Effekt beim Sonnenuntergang tritt auf, wenn der Beobachter z.B. auf einem sehr hohen Berg steht und die Sonne beim wahren Horizont (z.B. über dem Meer) untergeht. Dann geht sie natürlich für den Beobachter auf dem Berg später unter als für jemanden auf Meereshöhe. In den Gebetskalendern wird „um sicher zu gehen“ wieder gerne (und ohne darauf hinzuweisen!) ein willkürliches Sicherheitspolster von ein paar Minuten nach dem astronomischen Sonnenuntergang dazu addiert. Hier gilt das gleiche wie zuvor gesagt: Das ist eine reine Konvention, dafür gibt es absolut keine Begründung in der Sunna. Im Zusammenhang mit dem Fasten kann sogar davon ausgegangen werden, dass ein solches willkürliches „Sicherheitspolster“ der Sunna widerspricht, da der Fastende sein Fasten sofort nach Sonnenuntergang brechen soll.

ʿIšā’ (Yatsı Namazı, Nachtgebet)

Jetzt kommt der schwierigste Fall. Für den frühesten Zeitpunkt dafür gibt es in der Sunna keine exakte Definition („als die Dämmerung vergangen war“). Um da überhaupt eine mathematisch fassbare Regel zur Berechnung eines Gebetskalenders zu erhalten, nehmen viele einfach eine feste Zeitspanne nach Sonnenuntergang an, z.B. 1h 30m oder 1h 40m. Dies ist aber völlig unwissenschaftlich und zudem noch falsch! In der Astronomie hat man eine Einteilung des Grades der Dämmerung nach der Tiefe der Sonne unter dem Horizont festgelegt (Depressionswinkel). Man bezeichnet es als „Bürgerliche Dämmerung“, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont ist. Das entspricht etwa dem Zeitpunkt, wenn man im Haus das Licht einschaltet. Am Himmel kann man dann gerade die allerhellsten Sterne erkennen. Die nächste Stufe heißt „Nautische Dämmerung“, wenn die Sonne 12° unter dem Horizont ist. (Sie heißt übrigens so, weil man zu diesem Zeitpunkt auf dem Meer den Horizont nicht mehr erkennen kann und daher keine Positionsbestimmung mit dem Sextanten mehr vornehmen kann.) Zu diesem Zeitpunkt ist es unter idealen Bedingungen schon fast völlig dunkel, man kann die Horizontlinie also gerade nicht mehr erkennen, die Sterne sind von den helleren bis zu den schwächeren zu sehen, die allerschwächsten aber gerade noch nicht. Die dritte Stufe heißt „Astronomische Dämmerung“, wenn die Sonne 18° unter dem Horizont ist. Dann ist es völlig dunkel, man kann die schwächsten Sterne erkennen.

Dämmerungsstufen

Man muss nun wissen, dass die Zeitdauer vom Sonnenuntergang bis zu den einzelnen Dämmerungsstufen im Laufe des Jahres an einem Beobachtungsort nicht konstant ist. Zum Beispiel dauert es vom Sonnenuntergang bis zum Eintritt der Nautischen Dämmerung auf etwa 50° nördlicher Breite im Frühjahr und Herbst etwa 1h 10m, im Sommer aber bis zu 1h 50m und im Winter etwa 1h 20m. Daran sieht man schon, dass die Regel mit der festen Zeitspanne nicht funktioniert, denn dies entspricht eben im Laufe eines Jahres verschiedener „Tiefe“ der Dunkelheit. Bei vielen „professionelleren“ Gebetskalendern verwendet man daher eine dieser „Sonne-x°-unter-dem-Horizont“-Regeln, und zwar meistens 18° (entspricht der Astronomischen Dämmerung), aber auch 16° oder 15°, aber das wird in der Regel gar nicht näher erwähnt.

Ich persönlich habe aber meine Probleme mit dieser Astronomischen Dämmerung und zwar aus zwei Gründen: Erstens wird der Zustand der Astronomischen Dämmerung im Sommer schon in der Mitte Deutschlands und weiter nördlich gar nicht mehr erreicht, d.h. die Sonne geht dort im Sommer gar keine 18° unter den Horizont. Man muss dann wieder zur Bestimmung der Zeit des Nachtgebets irgendwelchen mathematischen Hilfskonstruktionen verwenden. Zweitens finde ich auch (nur meine persönliche Meinung), dass die Astronomische Dämmerung mit ihrer quasi völligen Dunkelheit nicht der Sunna entspricht, nach der man ja den Eintritt der Dämmerung irgendwie schon erkennen muss (z.B. die Sache mit den Fäden). Ich verwendete daher früher aus diesen beiden Gründen zur Bestimmung der Zeit des Nachtgebets die Nautische Dämmerung (Sonne 12° unter dem Horizont), die mir von der Beschreibung her angemessener erschien, siehe noch mal die obige Beschreibung der Dämmerungsstufen. In der jüngeren Vergangenheit habe ich aber diese Praxis abgewandelt. Durch langjährige Beobachtung des Himmels nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang kam ich zu dem Schluss, dass die Nautische Dämmerung doch noch einem etwas „zu hellen“ Grad der Dämmerung entspricht, vor allem im Sommer. Auch der Vergleich mit wissenschaftlichen Untersuchungen brachte mich daher dazu, dass ich heute einen Dämmerungswinkel von 14° für angemessen halte und auch am ehesten den Vorgaben des Ḥadīth entsprechend.

Ganz klar, das sind auch wieder Konventionen, nirgendwo im Qur’ān und Sunna steht etwas von Winkelgraden. Aber ich finde in diesem Fall (im Gegensatz zu den oben erwähnten „Sicherheitspolstern“), dass das dem Islam nicht widerspricht. Auch der Prophet Muḥammad (sas) spezifizierte die Dämmerung nicht genauer, als er antwortete: „Damit ist nur [dasjenige zwischen] der Finsternis der Nacht und der Helligkeit des Tages gemeint!“ Denn wenn Allāh (t) eine astronomisch-mathematisch exakte Definition der Zeit für die Dämmerung gewollt hätte, dann hätte Er es uns genauso mitteilen können, wie für die anderen Gebete. Dies ist aber gerade hier nicht der Fall! Im Islam soll man im Zweifelsfall immer den Mittelweg wählen, und ich persönlich habe für mich daher einen Dämmerungswinkel von 14° gewählt. Aber das muss eben jeder mit seinem Islamverständnis und seinem Gewissen selbst abklären.

Faǧr (Sabah Namazı, Morgengebet) und Šurūq (Güneş, Sonnenaufgang): Hier gilt sinngemäß das gleiche, was zuvor bei ʿIšā’ und bei Maġrib gesagt wurde. Es gibt zudem keinen Anlass, bei der Berechnung zwischen der Dämmerung am Abend (wenn es dunkel wird) und der Dämmerung am Morgen (wenn es hell wird) einen Unterschied zu machen.

Das Problem der kurzen Nächte

Jetzt gibt es aber trotzdem noch ein Problem. Selbst ein Dämmerungswinkel von 14° wird im Norden Deutschlands im Sommer gar nicht mehr erreicht, und auch im Süden Deutschlands wird die Zeit zwischen Abenddämmerung und Morgendämmerung noch unangenehm kurz. Gerade in den vergangenen Jahren fiel der Fastenmonat Ramaḍān in die Sommermonate, wo bei einer strikten Anwendung einer Definition des Faǧr-Zeitpunkts über einen Dämmerungswinkel der Fastende sein Fasten teilweise bereits kurz nach Mitternacht beginnen müsste und die Dauer des Fastens bis zum abendlichen Sonnenuntergang 20 Stunden und mehr erreichen kann. Außerdem ist damit immer noch keine Antwort auf die Frage gegeben, was zu tun ist, wenn ein bestimmter Grad der Dunkelheit überhaupt nicht mehr erreicht wird.

Der Islam legt den Gläubigen keine unerträglichen Beschwernisse auf, auch nicht im Ramaḍān, das kann also nicht „im Sinne der Sache“ sein, dass für bestimmte Weltgegenden die Zeit zwischen Fastenbrechen und Fastenbeginn auf ein bis zwei Stunden oder noch weniger zusammenschrumpft. Im Fiqh gibt es die Regel „Erschwernis bringt Erleichterung“ (al-mašaqqa taǧlibu l-taysīr), es muss also eine Lösung für dieses Problem geben. Nach langem Nachforschen zu diesem Thema bin ich auf das Prinzip des „Subʿu l-layl“ gestoßen, d.h. Ein-Siebtel-der-Nacht. Dieses Konzept wurde bereits von früheren Gelehrten für geographische Problemgebiete eingeführt und besagt im Prinzip: Die Dauer der Dämmerung beträgt (jeweils abends und morgens) maximal ein Siebtel der Nacht (manche definieren auch ein Drittel oder ein Fünftel). Wenn also im Sommer die (sichtbare) Dämmerung sich sehr lange in die Nacht ausdehnt, dann wird spätestens nach einem Siebtel der Nacht „die Reißleine gezogen“ und entsprechend am Morgen.

Dieses Prinzip wende ich seither auch für meine Gebetskalender und auch für die Fastenzeiten an. Das Prinzip des Subʿu l-layl wirkt sich in der Mitte Deutschlands etwa zwischen Anfang April und Mitte September aus, zuerst nur unmerklich, dann immer stärker bis zur Zeit des höchsten Sonnenstands, dann wieder abnehmend. Wenn man es etwa in die geographische Breite von Nordafrika überträgt, wirkt es sich überhaupt nicht mehr aus, in Südeuropa wahrscheinlich nur über wenige Tage oder Wochen hinweg. Eine Berechnung dieser Gebetszeiten ist aber relativ aufwendig, mir ist derzeit kein Programm bekannt, das diese Berechnungen in der gewünschten Weise durchführt, ich verwende dafür ein spezielles Worksheet unter Excel.

Schlussbemerkungen

Es gäbe noch eine Menge mehr zu erklären, aber das soll mal reichen. Vielleicht kann man jetzt verstehen, warum man eigenartigerweise in Kalendern unterschiedliche Gebetszeiten finden kann, während Qur’ān und Sunna aber eigentlich nicht überall beliebige Spielräume lassen. Ich finde es daher äußerst bedenklich, wenn viele Muslime irgendwelche Gebetskalender verwenden, die sie irgendwo beim Gemüsehändler mitgenommen haben. Solche Kalender sind zwar sicher von ihren Autoren mit den besten Absichten verfasst, es stellt sich aber zumindest die Frage: Mit welcher Fachkenntnis? In der Regel tragen sie erstens gar keine oder nur ungenaue Angaben, für welchen Ort sie berechnet sind („Berlin“ oder „München“ sind aber z.B. so groß, dass die Gebetszeiten am östlichen und am westlichen Stadtrand schon ein bis zwei Minuten unterschiedlich sein können), außerdem tragen sie in der Regel ebenso wenig einen Hinweis darauf, wer sie berechnet hat, noch auf welchen islamischen, astronomischen und mathematischen Grundlagen das geschehen ist. Ich hätte da jedenfalls ziemliche Bauchschmerzen, wenn ich mich blind auf so was verlassen würde, nur mal nebenbei bemerkt. Ich hoffe, ich habe mit diesem Artikel zunächst mal einiges Interesse an dem Thema geweckt, und zweitens auch einige Anstöße kritisch darüber nachzudenken, was man jeden Tag so tut im guten Glauben, „das ist schon richtig so, weil es ja auf einem Papier steht mit der Basmala oben drauf“. Wenn noch was unklar ist, so bin ich gerne bereit, ausführlichere Auskünfte über den oben stehenden Link zu erteilen.

Wa-l-salām

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13 Kommentare on “Gebetszeiten”

  • Ali schrieb am Juni. 21 2010, 0:44

    Salamu3alaikum
    ich nutze zur Zeit den Gebetszeitenkalender des IZ Hamburgs.
    Dort habe ich aber Bedenken bei der Morgendämmerung, da es schon fast 1 Std vorher ist als bei anderen Kalendern, also 01:50 zur Zeit.
    Können Sie mir sagen, ob diese Zeit absurd ist oder ob man diese Sichtweise vertreten könnte, dass es so früh ist?
    Barakallahu fikum
    wasalamu3alaikum

    Antwort: Wa `alaykum al-salâm, Bruder Ali. Die Dämmerungszeiten in nördlichen Breiten sind generell ein Problem, das bisher unter den islamischen Gelehrten noch nicht durch eine überzeugende Antwort gelöst wurde. In den nördlichen Breiten, auch schon in Hamburg, geht die Sonne im Sommer nachts nur noch so wenig unter den Horizont, dass es nachts gar nicht mehr „richtig“ dunkel wird. Man greift daher auf die unterschiedlichsten Lösungen dieses Problems zurück. Manche verwenden die Gebetszeiten von südlicher gelegenen Orten oder sogar direkt von Makka (meiner Meinung nach ist beides großer Unsinn), manche verwenden mathematische Lösungen, indem die Länge der Nacht in bestimmte Abschnitte eingeteilt wird (keine schlechte Lösung, die Frage ist, ob das wirklich den Vorgaben des Hadîth entspricht, und ob es auch „intelligent“ gemacht wird), ich verwende eine Lösung, die in meinem Artikel „Gebetszeiten“ beschrieben ist (die aber auch nicht mehr in noch weiter nördlich gelegenen Gegenden funktioniert).

    Da es auf die Methode der Herleitung ankommt, kann man nicht sagen, dass eine solche Zeit absurd ist, es gibt da keine absolut eindeutige Antwort. Man muss hier für sich entscheiden, welche Methode man nachvollziehen kann, und welche für einen überhaupt noch umsetzbar ist (z.B. im Ramadân in einigen Jahren im Hinblick auf das Vermeiden von unerträglichen Härten bei der Ausübung der religiösen Pflichten). Der Hadîth über die Gebetszeiten ist meiner Meinung nach bewusst „interpretierbar“ formuliert, so dass man nicht gezwungen ist, die Dämmerungszeiten extrem früh bzw. spät festzulegen.

    Wa-l-salâm
    Ahmad Kaufmann

  • Ali schrieb am Juni. 23 2010, 1:05

    Salamu3alaikum
    Vielen Dank für die Antwort.
    Soweit ich das nachvollziehen kann, verwendet das IZ Hamburg die astronomische Dämmerung als Fajr-Beginn. Das Problem ist wie oben von Ihnen schon erwähnt, dass nach der abendlichen astronomischen Dämmerung keine Nacht folgt und somit kein Fajr mehr exakt bestimmt werden kann. Was das Gebet angeht kann man ja sicherheitshalber nach der nautischen Dämmerung gehen, da kann man dann nix falsch machen.
    Aber was passiert dann im Ramadan? Dürfen wir bei Beginn der astronomischen oder nautischen Dämerung nicht mehr essen?
    Wasalam

    Antwort: Wa `alaykum al-salâm. Das kann so nicht ganz stimmen. In Hamburg gibt es immer Sommer gar keine astronomische Dämmerung mehr, d.h. die Sonne geht keine 18° mehr unter den Horizont. Wenn man im Winterhalbjahr die astronomische Dämmerung als Grundlage für Fajr nimmt, muss man daher im Sommer irgend eine andere Methode benutzen. Wenn Du den Gebetskalender per Email schicken kannst (Link oben auf der Seite), schaue ich mir mal an, was da für eine Methode dahintersteckt.
    Was den Ramadân angeht, kann ich Dir keine Universallösung dieses Problems bieten. Im Artikel oben habe ich ja beschrieben, wie ich damit umgehe. In Norddeutschland kann man noch die nautische Dämmerung verwenden, aber das funktioniert dann spätestens in Skandinavien auch nicht mehr. Also muss es noch andere Methoden geben, aber ich habe noch keine gesehen, die mich restlos überzeugt hat.
    Wa-l-salâm, Ahmad

  • Abu Cihad schrieb am November. 15 2010, 5:41

    Salam alaikum,
    kann mir jemand sagen wie sich die Gebetszeiten verändern wenn ich in der Stadt auf einer Anhöhe (einem Berg) lebe? Zwischen dem Berg und der Stadt besteht ein Höhenunterschied von 300 m. Das muss sich doch auswirken oder?
    Vielen Dank für jeden Tip.
    wassalam

    Antwort: Wa `alaykum al-salâm. Ein Berg in einer Stadt ist vielleicht ein ungünstiges Beispiel, aber ein Turm wäre ganz gut. Der Eiffelturm in Paris ist 300 m hoch, also ganz geeignet zur bildlichen Vorstellung.

    Nach der Definition der Gebetszeiten könnte durch eine unterschiedliche Höhe eigentlich nur die Shurûq- und die Maghrib-Zeit beeinflusst werden. Wenn man an einem Ort in die Höhe steigt, sieht man sozusagen „immer weiter hinter den Horizont“, d.h. man sieht morgens die Sonne früher aufgehen und abends später untergehen. Die Spitze des Eiffelturms wird also morgens schon früher bzw. abends noch später von der Sonne beleuchtet, während unten auf der Erde die Sonne noch nicht auf- bzw. schon untergegangen ist. Dieser Effekt ist allerdings sowohl von der geographischen Breite als auch der Jahreszeit abhängig. Jetzt im November macht das z.B. in Deutschland für 300 m Höhe etwa drei Minuten aus.

    Genauer kann man sich das mit professionellen Gebetszeiten-Programmen ausrechnen lassen, z.B. AccurateTimes. Man muss dabei allerdings eines beachten: Wir sehen die Sonne normalerweise nicht von einem Berg aus über dem Meer untergehen, daher darf man die Berechnung der Gebetszeiten nicht generell mit einem Höheneffekt machen. Wenn man nicht auf einem über die Umgebung herausragenden Berg oder in einem tiefen Tal ist, ist es besser als Höhe des Beobachters „Null“ zu verwenden, das wäre dann so, als ob der Beobachter auf einer unendlich ausgedehnten Ebene wäre, die genauso hoch gelegen ist wie sein Beobachtungsort. Mit anderen Worten: Der Horizont, hinter dem er die Sonne auf- bzw. untergehen sieht, befindet sich auf gleicher Höhe wie er selbst.

  • Abu Cihad schrieb am Januar. 2 2011, 19:38

    Jazaka Allahu khairan!
    Herzlichen Dank, möge Allah eure Arbeit segnen und euch belohnen!

  • Ayhan schrieb am Juni. 13 2012, 15:49

    Essalmualeykum,
    ich könnte zu dem Thema Gebetszeiten, die Berechnung mit Hilfe des Nautic Tools Programms empfehlen (http://www.nautictools.de/download.html ) die Berechnung habe ich mal mit einigen Kalender verglichen und muß sagen es dem Fazilet Takvim sehr ähnelt was die Isha Gebetszeiten und fajr Zeiten in den Sommermonaten in den Regionen 50°Breitengrad betrifft.
    Wenn du Bruder Ahmad dies dir anschauen könntest würde mich deine Meinung interessieren.

  • Harun schrieb am Juli. 10 2013, 5:03

    as-Salamu alaikum geehrter Bruder,

    möge Allah – ta’ala – dich für deine Mühen belohnen.

    Ich konnte als Laie nicht ganz nachvollziehen, wie du hier beim Fajr vorgehst. Nach nautischer oder astronomischer Dämmerung?

    Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

    Wa Salam

    Admin-Kommentar: Wa `alaykum al-salâm. Doch, das ist im Text unter „Schlussbemerkungen“ erwähnt. Zu der Zeit, als ich den Artikel schrieb, habe ich mich nach der Nautischen Dämmerung gerichtet.

    Allerdings muss ich sagen, dass ich nach langjährigen Beobachtungen der Dämmerung heute eine andere Vorgehensweise anwende, die in diesem Artikel noch nicht beschrieben ist. In shâ’a-Llâh werde ich den Artikel aktualisieren.

    Ahmad Kaufmann

  • Harun schrieb am Juli. 10 2013, 12:37

    as-Salamu alaikum geehrter Bruder Ahmad,

    barak Allahu feekum für deine schnelle Antwort.

    Ich freue mich schon auf die Aktualisierung, da es gerade um Ramadan sehr brisant ist.

    Ich hoffe, dass der folgende Fremdlink kein Problem darstellt, denn da wird auch gesagt, dass es sich um die nautische Morgendämmerung handelt (was Fajr angeht): http://ar-rauda.blogspot.de/2011/03/wie-erkenne-ich-die-gebetszeiten.html
    Auszug: „Dann folgt die nautische Dämmerung, bei der – wie im Hadith – das Morgenlicht den ganzen Horizont erkennen lässt. Erst zur zweiten „echten“ Dämmerung (Abb: 2) darf man das Morgengebet verrichten. Zwischen den beiden Dämmerungsphasen vergehen je nach Jahreszeit zwischen 15 und 45 min.“
     
    In diesem Sinne: Möge Allah – ta’ala – das Fasten von mir und dir und allen Mitlesern annehmen.

    Wa Salam
    Harun

  • sayfullah schrieb am September. 23 2013, 1:25

    Bei uns im türkischen Raum gibt es einen Typen namens Abdulaziz Bayindir, der sagt, dass der wahre Fajr erscheint, wenn die Sonne 8,5° unter dem Horizont steht. Ab 12°unter dem Horizont sei es die falsche Dämmerung, laut seiner Meinung wäre die Zeit für Fajr kürzer als Maghrib und das Gebet von nahezu allen Muslimen wäre ungültig, gibt es einen heute einen Gelehrten von Ahlu Sunnah der seine Meinung teilt?

    Er behauptet auch, dass Ishaa endet, wenn die Sonne 18° unter dem Horizont steht, denn dies sei die islamische Mitternacht. Für die Berechnung gebe es keinen Beweis. Denn die Sahaba würden auch nur durch Beobachtungen herausfinden wann Mitternacht ist und nicht durch Uhren oder Berechnungen. D.h. er sagt, dass die heutigen Hanifiten zu einer Zeit beten, wo die Zeit für Ishaa eigentlich zu Ende ist.

  • Adel schrieb am Juni. 26 2015, 5:23

    Salam ‚Alaikum 
    Tolle  Arbeit, die ihr hier macht! 

    Zitat.:“Allerdings muss ich sagen, dass ich nach langjährigen Beobachtungen der Dämmerung heute eine andere Vorgehensweise anwende, die in diesem Artikel noch nicht beschrieben ist. In shâ’a-Llâh werde ich den Artikel aktualisieren.
    Ahmad Kaufmann“

    Mich würde deine neue Vorgehensweise sehr interessieren und bitte um eine kurze Erklärung. 

    Wa Salam 

  • Giorgio Jibril schrieb am Januar. 7 2016, 14:47

    Salam Alaikum Brüder und Schwestern.
    Ich würde gerne wissen wie du beim Fajr Gebet vorgehst.-12-12,5-13.
    Was ist die richtige Zeit.nach meinem Beobachtungen und ich kann nur vom Balkon aus beobachten,ist es -12 grad.da du im Artikel sagst du aktualisierst ihn,schau ich oft mal rein,aber es hat sich nie was getan.deshlab hack ich mal nach.würde mich freuen über eine Antwort.
    Allah möge euch rechtleiten.

  • isra schrieb am März. 18 2016, 5:12

    as-Salamu alaikum,

    ich bin gerade aufgestanden für das Morgengebet. Wir haben eine Uhr von Mekka, die Gebetszeiten drauf hat und dann der Himam auch ruft. Der Fajr ist bei uns in Zürich um 4:57 Uhr und ich wollte mich gerade waschen (fürs beten) aber dan kam meine Mutter und sagte ich müsse 30 Minuten oder so warten, weil es noch stock dunkel ist oder so. Kannst du mich da aufklären..?
    Sorry vielleicht verstehst du nicht was ich meine.

  • Ibrahim schrieb am Juni. 15 2016, 17:25

    Ich freue mich auch auf Aktualisierung.
    Möge Allah Sie belohnen wa Ramadan karim

    Admin-Kommentar: al-Salâmu `alaykum. Ich möchte bei allen, die schon lange auf die versprochene Überarbeitung des Artikels gewartet haben, um Verzeihung bitten, dass es so lange gedauert hat. Ich könnte viele Gründe für die Verzögerung anführen, aber es würde nichts ändern. Wie auch immer, ich habe es jetzt erweitert und ergänzt und meiner aktuellen Vorgehensweise angepasst. Ich hoffe, dass einige der lange anstehenden Fragen zumindest in Grundzügen beantwortet wurden.

    Wa-l-salâm
    Ahmad Kaufmann

  • Om zayd schrieb am September. 30 2017, 6:52

    Asalamu alaykum,

    Gibt es keinen Link, wo man Ihren Gebetskalender runterladen kann?
    Ich habe keine Ahnung, nach welcher Regel ich jetzt beten soll. Ich habe bis jetzt die nautische Dämmerung als Maßstab verwendet. Wenn Sie jetzt 14° Winkel sagen, weiß ich nicht, wie viel Minuten Unterschied das macht. Ich habe daher bis jetzt spätestens etwa 5 Min vor der nautischen Dämmerung gefastet und nach der nautischen D. gebetet.
    Ich hoffe, ich liege so einigermaßen richtig!
    Möge Allah Sie für ihre Bemühungen reichlich belohnen.
    Slm

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