Mondsichtung im Islam

Die Wissenschaft zur Bestimmung der Zeit

Es gibt zwei Arten von Zeitbestimmung, die für den Muslim relevant sind: Die Zeitrechnung nach der Sonne und die nach der Mondsichtung. In beiden Arten der Zeitrechnung findet der Islam Interesse und Anwendung. Die Sonne bestimmt z.B. die fünf Tageszeiten, wonach die Muslime das Gebet verrichten. Der Mond (hilâl) bestimmt z.B. den Fastenmonat Ramadân, wo alle Muslime fasten. „Er lässt den Tag anbrechen; und Er machte die Nacht zur Ruhe und Sonne und Mond zur Berechnung. Das ist die Anordnung des Allmächtigen, des Allwissenden.“ (6:96) „ Er ist es, Der die Sonne zur Leuchte und den Mond zu einem Schimmer machte und ihm Stationen bestimmte, auf dass ihr die Anzahl der Jahre und die Berechnung kennen möchtet. Allâh hat dies nicht anders denn in Weisheit geschaffen. Er legt die Zeichen einem Volke dar, das Wissen besitzt.“ (5:10)

Der Sonnenuntergang, der Sonnenaufgang, der Winkel der Sonne zu einem Punkt auf der Erde, so dass der Schatten des Menschen doppelt so lang als die tatsächliche Größe der Person wird (Kriterium für `Asr-Gebet) unterliegen der Natürlichkeit des Zusammenspiels der Sonne und der Erde. Wir werden aber in diesem Text nur die Mondsichtung vertiefen, da dieses Thema „freundlicher“ – im Sinne der Nicht-Mathematiker – und heikler als die Zeitrechnung nach der Sonne ist. In der zweiten Ausgabe der KAABA wurde dieses Thema von mir behandelt und ist meiner Meinung nach mir ungelungen. Um Allâhs Willen, es steht nichts Falsches drin, sondern man kann ihn modifizieren und erweitern (der Text ist türkisch).

Islam und Astronomie

Der Qur’ân beinhaltet viele Wissenschaften, unter anderem Geologie, das Reich der Tiere und Pflanzen, menschliche Fortpflanzung und Astronomie. Der Islam ist eine Religion, die die Menschen zur Wissenschaft auffordert. Der heilige Qur’ân spricht mit vielen Versen den „denkenden“ Menschen an. „In der Schöpfung der Himmel und der Erde und im Wechsel von Nacht und Tag und in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt, und in dem Wasser das Allâh niedersendet vom Himmel, womit Er die Erde belebt nach ihrem Tode und darauf verstreut allerlei Getier, und im Wechsel der Winde und der Wolken, die dienen müssen zwischen Himmel und Erde, sind fürwahr Zeichen für solche, die verstehen.“ (2:164) „Und Wir schufen die Himmel und die Erde, und was zwischen beiden ist, nicht im Spiel. Wir erschufen sie allein in Weisheit, jedoch die meisten von ihnen verstehen es nicht.“ (44:38-39) Für einen besseren Verständnis des Qur’âns erfordert er auch die Verständnis von Wissenschaft. Es ist nicht die Aufgabe des Qur’âns dem Menschen Wissenschaften beizubringen oder zu erklären, sondern er soll sie zum Nachdenken über die Erschaffung und Allmacht und Größe Allâhs bringen.

Astronomie ist eine der Naturwissenschaften, die der Muslim betreiben muss, um gewisse Verse zu verstehen. Allâh sagt: „Die Sonne und der Mond bewegen sich nach bestimmten Regeln.“ (55:05) „…Und (Er erschuf) die Sonne und den Mond und die Sterne, Seinem Gesetz dienstbar. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und das Gesetz! Segensreich ist Allâh, der Herr der Welten.“ (7:54) Der Mond braucht niemals 31 Tage, um die Erde zu umrunden, sondern höchstens 30. Allâh hat für ihn Regeln und Gesetze bestimmt, denen er unterlegen ist. Astronomie ist die Wissenschaft, die diese Regeln versucht zu verstehen und zu beweisen. Und derjenige, der die Astronomie versteht, wird den Qur’ân besser verstehen!

Ist man mit der Sternenkonstellation vertraut, so kann man auf der Erde nicht verloren gehen, man weiß ganz genau, wo man ist! „Und Er ist es, Der die Sterne für euch geschaffen, auf dass ihr durch sie den Weg findet in den Finsternissen zu Land und Meer. Wir haben bis ins einzelne die Zeichen dargelegt für Menschen, die Wissen haben.“ (6:97) Hat man kein Wissen, um die bis ins einzelne dargelegte Zeichen zu verstehen, dann wird man lange über diesen Vers sinnlos nachdenken: „Was will Allâh mir damit sagen?“ Der Muslim soll sich für Astronomie interessieren! Ich kann Ihnen islamische Astronomen, wie z.B. Ibn-Hurdazbih (825-912), Mas`ûdiyy (910-957), Idrisiyy (1100-1166), Bayrûniyy (973-1051), Ibn Rušd (1126-1198), Imâm Ghazâliyy (1058-1111), Muhyiddîn `Arabiyy (1165-1240) u.v.a., nennen, die damals in ihrer Sache führend waren und auch die Lehre der Gestirne prägten. Die Entwicklung, dass Muslime nicht nur in der Astronomie, sondern in allen Wissenschaften führend waren, ist doch ein logischer Schluss aus dem Qur’ân! Der „Denkende“, das intellektuelle Individuum, DU wirst angesprochen und nicht die Kuh auf der Weide (bitte nehmt mir dieses Gleichnis nicht übel, aber das ist doch das Faktum). „…Allâh hat dies nicht anders denn in Weisheit geschaffen. Er legt die Zeichen einem Volke dar, das Wissen besitzt.“ (5:10)

Kannten Sie wenigstens einen, der oben genannten Astronomen? Imâm Ghazâliyy kannten Sie bestimmt, weil er nicht nur in der Astronomie, sondern auch in der Fiqh-Lehre tätig war. Aber lassen Sie mich raten: dass er astronomisch tätig war, das ist Ihnen auch neu, oder? Im Endeffekt liegt es doch wieder bei uns, bei unserem Glauben, Glauben zu Allâh, wie sehr wir uns interessieren und engagieren im Namen Allâhs…

Wie funktioniert die Mondsichtung?

Muslime benutzen den Mondkalender als ein Instrument zur Zeitrechnung. Man hat die Flucht des Propheten Muhammad (s) aus Mekka (Hijra) als den Anfangspunkt des Hijriyy-Kalenders festgelegt. Das würde genau im Gregorianischem Kalender der Geburt Christi entsprechen. Alle islamischen Monate (insgesamt 12, Liste siehe Tabelle) haben minimal 29 oder maximal 30 Tage. Der Anfang eines islamischen Monats wird durch die Sichtung der „jüngsten“ Mondsichel definiert. Um den Beginn zu bestimmen, muss am Yawmu-l-šakk (der kritische Tag) – das ist der Abend des 29. eines islamischen Monats – der Mond beobachtet werden. Sichtet man ihn nicht, so sind von 30 Tagen auszugehen. `Abdullâh Ibn `Umar berichtet: Der Prophet (F.s.m.i.) erwähnte den Ramadân und sagte: „Fastet nicht bevor ihr den Hilâl seht, und brecht das Fasten nicht ab, bevor ihr ihn (Hilâl) seht. Und wenn er bedeckt ist, sollt ihr ihn berechnen.“ (Bukhâriyy) Man kann den Monat nur dann „berechnen“, wenn man auch den Monat davor richtig angefangen hat, da sich der kritische Tag nur durch den richtigen Anfang bestimmen lässt.

Wichtig ist, dass man „Neumond“ und „Hilâl“ nicht verwechselt! Der gravierende Unterschied liegt darin, dass der Neumond nicht sichtbar ist, da der Neumond durch die Konstellation von Erde, Mond und Sonne auf einer (gedachten) Linie, genannt auch Konjunktion, definiert wird, und der Hilâl ist der sichtbare Mond. In deutschen Kalendern ist der Neumond als ein schwarzer Punkt abgebildet. Es neigen doch viele Muslime dazu, den Neumond mit dem Hilâl zu verwechseln. Nicht vergessen: der „Westen“ interessiert sich nicht für den Hilâl!

Im Islam muss es die Mondsichtung geben!

„…Der Mondwechsel…dient, den Menschen die Zeit und die Pilgerfahrt nach Mekka zu bestimmen…“ (2:189) Ohne sie wäre dieser Vers nicht anwendbar. Wann soll man sonst pilgern? Eine Unordnung und Uneinheitlichkeit in der Umma wäre zu erwarten. Ohne die Mondsichtung wäre der Fastenmonat Ramadân als ein Zeitraum nicht vorstellbar. Wann und wie lange soll ich fasten? Abû Hurayra berichtet: Muhammad (F.s.m.i): „Wann immer ihr den Neumond (des Monats Ramadân) sichtet, fastet, und wenn ihr den Neumond (des Monats Šawwâl) sichtet, hört auf zu fasten, und wenn der Himmel bewölkt ist, dann fastet 30 Tage.“ (Muslim)

Das Fasten ist dem Muslim und der Muslima ein Gebot und muss einmal im Jahr 29 bzw. 30 Tage im Fastenmonat Ramadân abgehalten werden. Wenn das Fasten eine Pflicht ist, dann ist die Mondsichtung zur Bestimmung dieser Frist auch ein Muss. Muslime müssen Ausschau nach dem Hilâl halten. Es reicht hier aber, wenn nur weniger aus einer Gemeinde, die dazu in der Lage sind (!), den Mond sichten (fard kifâya). Daraus resultiert, dass die Mondsichtung auch eine Art von Gottesdienst ist, da man es nur tut, um einen anderen Gotttesdienst zu bestimmen. Das gilt nicht nur für den Monat Ramadân, sondern für alle Monate, da bekanntlich die Monate aufeinander aufbauen. Wenn ich nicht weiß, wann Muharram angefangen hat, dann weiß ich genauso wenig, wann Šawwâl anfängt.

Die Mondsichtung als ein Teilgebiet der Astronomie

Die Astronomen sprechen auch von der Geometrie der Himmelskörper. Die Bewegung der Planeten und Gestirnen sind beobachtbar und berechenbar. So sind die Bewegungen der Erde, Sonne und Mond der Astronomie bekannt, da „die Sonne und der Mond sich nach bestimmten Regeln bewegen“ (55:05), nach Allâhs Gesetzen. Somit braucht der Mond im Mittel 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten, um die Erde einmal zu umlaufen (synodischer Monat). „Er schuf die Himmel und die Erde in Weisheit. Er faltet die Nacht über den Tag und faltet den Tag über die Nacht; und Er hat die Sonne und den Mond dienstbar gemacht ; ein jedes verfolgt seine Bahn zu einem bestimmten Ziel. Fürwahr, Er allein ist der Allmächtige, der Allverzeihende.“ (39:5) Es ist den Astronomen bekannt, wann der Mond welche Position relativ zur Erde einnimmt, wann eine Sonnen- und Mondfinsternis, wann Vollmond, Neumond etc. entsteht. „Und Er ist es, Der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes in (seiner) Bahn.“ (21:33) Im Internet finden Sie ein Katalog für fünf Jahrtausende, wo man nachschlagen kann, wann der Mond bestimmte Zustände, wie Neu-, Viertel-, Voll- und Drittelmond, einnimmt (http://sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/phase/phasecat.html). Das sind keine Jahrhunderte, sondern Jahrtausende! Man kann die Position des Mondes zu einem x-beliebigem Zeitpunkt berechnen.

Das Zusammenspiel zwischen Erde, Mond und Sonne sind Teile der subjektiven Monderscheinung für den Beobachter auf der Erde. Sie erscheinen uns als Mondphasen. Der Mond leuchtet nicht, sondern er reflektiert das Licht der Sonne. „Und den Mond in sie gesetzt hat als ein Licht und die Sonne gemacht hat zu einer Lampe?“ (71:16) Allâh benutzt das arabische Wort nûr für den Mond, was reflektiertes Licht heißt, und sirâj für die Sonne, welches aus sich selbst existierendes Licht bedeutet. Und genau so ist es: die Sonne leuchtet auf Grund nuklearer Prozesse in ihr und der Mond reflektiert das Licht der Sonne.

Eine Hälfte des Erdtrabanten ist immer beleuchtet (außer bei Mondfinsternis). Von der Erde aus kann man auch nur die beleuchtete Seite sehen. Ummittelbar vor oder nach Neumond (2-3 Tage) ist die unbeleuchtete Seite des Mondes der Erde zugekehrt. Die Sichtung ist unmöglich. Diese Unmöglichkeit wird durch die Sonne noch mehr verstärkt. Halten Sie mal ein Stecknadelkopf in das Fernlicht eines Autos, so dass Auge, Stecknadelkopf und Fernlicht auf einer Ebene sind. Sehen Sie den Stecknadelkopf oder haben Sie Ihre Augen aus Reflex zugekniffen, da sie sonst erblinden würden? Genau so ist es mit dem Neumond. Um den Neumond zu finden, müssten er vor oder in der ummittelbaren Umgebung der Sonne gesucht werden. Da es sich beim Hilâl um die jüngsten Mondsichel nach dem Neumond handelt, muss ein bestimmter Abstandswinkel zwischen Sonne und Mond vorliegen, um den Mond zu sichten (siehe oben Unterschied zwischen Hilâl und Neumond!!!).

Der Text ist noch zu ergänzen!

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