Shawwāl-Mond 1438

Der geozentrische Neumond des Monats Šawwāl ereignete sich am Samstag, dem 24. Juni 2017 um 4:31 Uhr MESZ. Zu diesem Zeitpunkt ging der Mond an der Sonne vorbei und konnte nicht gesehen werden.Lesen Sie zu den Möglichkeiten, den Hilâl zu sichten, unsere Stellungnahme zum Beginn des Monats Šawwāl.

Bis nach Mitternacht 24./25. Juni lagen keine glaubwürdigen Sichtungsmeldungen des Hilâls vor. Da die Entscheidung über den Beginn eines neuen islamischen Monats innerhalb einiger Stunden nach Sonnenuntergang zu treffen ist, hieß das für uns, dass inzwischen der 30. Ramadântag begonnen hatte.

Eine erste Sichtung des Hilâls wurde am Sonntagmorgen unserer Zeit aus Chile berichtet. Für Europa hat diese Sichtungsmeldung keine Relevanz, da hier bereits der 30. Ramadântag begonnen hatte. Weitere Sichtungen nur mit einem starken Fernglas bzw. optischen Hilfsmitteln wurden aus den USA (Virginia, Utah und Kalifornien) berichtet.

Weitere Sichtungsmeldungen kamen im Laufe des Sonntags von den Fidschi-Inseln im Pazifik, aus Neuseeland, Australien, Pakistan, Iran, Jordanien, Ägypten, Algerien, Kroatien, Tunesien, Marokko, Frankreich und USA.

Quellen: ICOP, Moonsighting.com

Anmerkung zu der in der Zwischenzeit verbreiteten Meldung einer „Sichtung“ der Mondsichel mit einem Teleskop in Tumayr bei al-Riyāḍ, Saudi-Arabien am Samstagabend
Auf der Šawwāl 1438-Seite von moonsighting.com wird ein Photo gezeigt, das angeblich an einem Observatorium in Tumayr bei al-Riyāḍ mit einem Teleskop aufgenommen wurde. Die Authentizität dieses Photos ist nicht geklärt, eine Bewertung wird in der Zukunft erfolgen müssen, man weiß ja, dass wir inzwischen im Zeitalter des Postfaktischen leben. Zunächst mal ist festzustellen, dass Tumayr an diesem Tag noch in einem Bereich lag, der für alle aktuellen Mondsichtungskriterien (Yallop, Odeh, Shaukat) deutlich in die Zone der Nicht-Sichtbarkeit des Hilāls fällt. Zur Einschätzung dieser „Beobachtung“ hier die astronomischen Gegebenheiten für Samstagabend 24.06.17 in Tumayr:

Sonnenuntergang 18:52 (UT+3)
Monduntergang 19:11 (UT+3), d.h. Lag Time 19 Minuten
Elongation 8°, etwa 7° links von der Sonne und etwa 4° höher.
Mondalter etwa 13 ½ Stunden
Beleuchtung 0,6 %

Die Parameter Elongation und Mondalter wurden nach der Rekordliste bei ICOP für Beobachtungen mit optischen Hilfsmitteln bereits unterboten. Mit einer Lag Time von 19 Minuten wäre aber ein neuer Rekord aufgestellt, der bisherige liegt bei 20 Minuten, allerdings fand die 20-Minuten-Lag-Time-Beobachtung bei wesentlich größerer Elongation von 12° und Mondalter von 25 Stunden statt. Bei den anderen Rekordbeobachtungen betrug die Lag Time mindestens 24 Minuten.

Also so richtig passt das zwar nicht zusammen, aber die Gestalt der auf dem Photo abgebildeten Sichel sieht einigermaßen plausibel aus, wenn es gefaked ist, waren zumindest keine Stümper zugange. Auf jeden Fall war dafür ein extrem leistungsfähiges Teleskop und außergewöhnlich gute Sichtbedingungen bis herunter zum Horizont notwendig, über die Wetterbedingungen abends an diesem Tag in Tumayr kann ich nichts sagen. Ob da zusätzlich mit Restlichtverstärkern oder Bildbearbeitung am Computer nachgeholfen wurde, kann ich aus dem Bild auch nicht erkennen. Aber ich gehe davon aus, dass man so etwas nicht mehr mit dem Auge durch das Teleskop erkennen konnte, sondern bestenfalls photographisch mit High-Tech-Aufnahmetechnik und damit wäre es islamrechtlich auch kein „Hilāl“.

Das ist, was ich dazu sagen kann, auch auf moonsighting.com wurde diese „Beobachtung“ noch nicht weiter bewertet. Jeder muss bis zu einer wissenschaftlichen Auswertung selbst entscheiden, was er davon hält.

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