Wann ist `Īdu l-Fitr (Ramazan Bayramı) 1424 n.H.?

1. Die astronomischen Gegebenheiten zum Beginn des Monats Šawwāl 1424 n.H.

Der geozentrische Neumond tritt ein am Sonntag, dem 23. November 2003 um 23:00 Uhr UT (d.h. genau um Mitternacht vom 23. zum 24. November MEZ). Nach exakten astronomischen Berechnungen wird dann am Montag, dem 24. November die junge Mondsichel erstmals ca. 14 Stunden nach Neumond im südlichen Indischen Ozean und im südlichen Afrika gesehen werden können, und einige Stunden später im gesamten amerikanischen Doppelkontinent südlich von Kanada. Man erkennt in diesem Fall sehr schön, dass die Nord- und Südhalbkugel der Erde aufgrund der Jahreszeiten und anderer Faktoren stark unterschiedliche Sichtungsbedingungen haben können – diese Dinge sind also nicht ganz so simpel wie es manche „Mondsichtungs-Experten“ gerne darstellen. Vgl. graphische Darstellung der Sichtbarkeitszone für den 24. November nach dem Yallop-Kriterium, Quelle: Programm MoonCalc von Dr. Monzur Ahmed, GB – siehe hier. Die Berechnung der Sichtbarkeitszonen über das Yallop-Kriterium beruht auf der Auswertung von mehreren Hundert Sichtungen oder Nicht-Sichtungen des Hilāls während der vergangenen 140 Jahre.

Sichtbarkeitszone Shawwâl 1424

(Erläuterung der Sichtbarkeitszonen: A – Hilāl mit bloßen Augen leicht zu sichten; B – Sichtung mit bloßen Augen ist nur unter günstigen Bedingungen zu erwarten; C – Es werden optische Hilfsmittel (z.B. Fernglas) benötigt, um den Hilāl am Himmel aufzufinden, danach kann Sichtung mit bloßen Augen möglich sein; D – Hilāl kann nur mit starken optischen Hilfsmitteln aufgefunden und gesehen werden; Außerhalb der Zonen A-D – kein Sichten des Hilāls mit bloßen Augen oder mit optischen Hilfsmitteln möglich.)

Am Montag ist demnach keine Sichtung möglich in ganz Asien, der Türkei oder Europa. In Arabien und Nordafrika dürfte eine Sichtung extrem schwierig (und wenn überhaupt, dann ausschließlich mit stärksten astronomischen Teleskopen), und sogar völlig unmöglich für Beobachter mit bloßem Auge sein, d.h. angebliche Sichtungsmeldungen von Beobachtern mit bloßem Auge aus diesen Gebieten sind wissenschaftlich als unmöglich zurückzuweisen. In diesen Gebieten wird bei geeigneten Wetterbedingungen eine Sichtung mit bloßem Auge erst am darauf folgenden Dienstag, dem 25. November möglich sein.

Die astronomischen Daten ergeben somit eine Zweiteilung für den ersten Tag des `Īdu-l-Fiṭr: Für die westlichen Kontinente fällt der erste Tag des Ramaḍān-Festes auf Dienstag, den 25. November. Für die östlichen Kontinente fällt der erste Tag des Ramaḍān-Festes erst auf Mittwoch, den 26. November. Speziell für Europa ist ebenfalls eine doppelte Aussage zu treffen:

Da der junge Mond erst am Dienstag in Europa zu sehen sein wird, fällt bei Anwendung des Prinzips der lokalen Sichtung (Ikhtilāfu-l-maṭāli`) der erste Tag des Ramaḍān-Festes auf Mittwoch, den 26. November. Der Ramaḍān hat in diesem Fall 30 Tage, wenn er korrekt begonnen wurde.

Da aber damit gerechnet werden kann, dass der junge Mond bereits am Montagabend in Südafrika gesichtet werden kann, fällt nur bei Anwendung des Prinzips der globalen Sichtung (Ittiḥādu-l-maṭāli`) der erste Tag des Ramaḍān-Festes bereits auf Dienstag, den 25. November. Der Ramaḍān hat in diesem Fall 29 Tage, wenn er korrekt begonnen wurde.

Kurze Erläuterung

Es gibt zwei unterschiedliche Standpunkte unter den Gelehrten, bzw. den Madhāhib, wann die Sichtung der jungen Mondsichel für eine muslimische Gemeinde den Monatswechsel anzeigt: Nach der einen Position (Ikhtilāfu-l-maṭāli`) gilt nur die Sichtung der Mondsichel im jeweiligen Land der Gemeinde, für uns also zum Beispiel innerhalb Deutschlands, oder innerhalb West-Europas. Nach der anderen Position (Ittiḥādu-l-maṭāli`) gilt die erste zuverlässige Sichtung irgendwo auf der Welt zugleich für alle Muslime. Diese Position hat allerdings den Nachteil, dass diese globale Sichtung nur stark zeitversetzt bekannt werden könnte, und man u.U. nicht darauf warten kann. Außerdem gibt es Überlieferungen aus der Zeit des Propheten (sas), dass die Monatsbeginne zwischen Mekka und Medina nicht abgestimmt wurden.

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Was geschah dieses Jahr zum Ramaḍān-Beginn?

Wie bereits im Artikel „Wann beginnt der Ramaḍān 1424n.H.“ dargestellt, war eine den Ramadān-Beginn definierende Sichtung des jungen Mondes auf der ganzen Welt erst am Sonntag, dem 26. Oktober zu erwarten. Wie in jedem Monat waren weltweit die Mitglieder von ICOP bereits am Samstag aktiv, um die Mondsichel aufzusuchen. In Jordanien wurde, wie bereits einige Monate zuvor, durch Mitglieder des offiziellen Hilāl-Sichtungskomitees ein wissenschaftliches Experiment durchgeführt, bei dem die Mondsichel mit optischen Instrumenten von einem auf 3800 m Höhe fliegenden Flugzeug beobachtet werden sollte. In dieser Höhe ist die Atmosphäre sehr klar und durchsichtig, außerdem gibt es nur sehr wenig Streulicht, das am Erdboden die Beobachtung der sehr dünnen und schwach leuchtenden Mondsichel erschwert. Weder diese Beobachtung vom Flugzeug aus unter idealen Bedingungen (siehe auch den Artikel „Muhammad Odeh bezüglich des Anfang des Ramạdān“), noch irgendeine andere Beobachtung durch die ICOP-Mitglieder ergab für den Samstag eine Sichtung der Mondsichel. Die erste glaubwürdige Sichtungsmeldung traf erst am folgenden Sonntag von Mauritius aus ein, später auch aus weiteren Ländern (Iran, Kuwayt, Kenia, Südafrika, Nigeria, Trinidad und USA). Dieses Ergebnis stand völlig im Einklang mit den wissenschaftlichen Vorausberechnungen.

Dennoch überraschte es wieder kaum, dass noch am Samstag, fast 24 Stunden vor der Sichtung in Mauritius, eine Meldung verbreitet wurde, derzufolge ein Šaykh der al-Azhar-Universität in Asyūt/Ägypten die Mondsichel gesehen haben wollte. Obwohl diese Sichtungsmeldung in völligem Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen stand, und der/die Beobachter wahrscheinlich den Planet Venus beobachtete und für den Hilāl hielt, haben solche Meldungen eine unfassbare Wirkung: Selbst in Jordanien, wo immerhin von einem Flugzeug aus keine Mondsichel beobachtet werden konnte, veranlasste der oberste Richter entgegen der Stellungnahme des offiziellen Hilāl-Sichtungskomitees noch am Samstagabend eine sofortige Ausrufung des Ramaḍān-Beginns im jordanischen Fernsehen nach dem Eintreffen der angeblichen Sichtungsmeldung aus Ägypten.

In Sa`udi-Arabien geschah in diesem Monat dagegen etwas völlig Unerwartetes, und unter Berücksichtigung der Entscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte, sogar etwas völlig Unfassbares: Sa`udi-Arabien folgte nicht dem unislamischen Umm al-qurā-Kalender, sondern begann den Monat Ramaḍān offiziell erst am Montag, dem 27. Oktober! Bis heute gibt es keine näheren Erkenntnisse darüber, was diesesmal dort geschehen ist: Wie üblich war davon auszugehen, dass angeblich immer dieselben Personen wie jedes Jahr die Mondsichel dann gesehen haben wollen, wenn gar keine am Himmel war, aber wann der Umm al-qurā-Kalender einen Monatswechsel anzeigt, nämlich fast immer einen Tag zu früh. Dennoch wurden offensichtlich solche Meldungen dieses Jahr nicht berücksichtigt! Haben die internationalen Protestschreiben an die sa`udischen Verantwortlichen endlich Wirkung gezeigt? Haben einflussreiche Persönlichkeiten endlich den Irrtum erkannt und ein Machtwort gesprochen? Und vor allem die wichtigste Frage: War dies nur ein einmaliger Vorfall oder wird Sa`udi-Arabien in Zukunft doch eher wissenschaftlichen Grundlagen und seinen sechs offiziellen Hilāl-Sichtungskomitees folgen, oder doch wieder lieber einigen notorischen, halb-blinden, publicity-süchtigen Wichtigtuern, die vielleicht im Leben noch nie einen echten Hilāl gesehen haben (die aber natürlich `ādil sind!)? Wir werden es bald erfahren.

Immerhin führte diese Entscheidung Sa`udi-Arabiens dazu, dass diesesmal fast alle Muslime weltweit den Ramaḍān korrekt begannen, und am Montag, dem 27. Oktober den ersten Fastentag begingen.

In Deutschland hat sich dagegen ein gewisser Ausschuss erneut aufs Peinlichste bloßgestellt, und sich diesesmal (im Vertrauen auf die sonst übliche sa`udische Fehlentscheidung?) bis auf die Knochen blamiert. Der sogenannte „DIWAN“, dessen Mitglieder offenbar außer ihrer leitenden Funktion in irgendwelchen islamischen Verbänden keine erkennbare Qualifikation (islamisch und astronomisch) zur Festlegung des islamischen Monatswechsels besitzen, traf sich wieder im warmen Stübchen, und rief am Samstagabend zusammen mit der IGMG den Beginn des Ramaḍān aus, „entsprechend ihrer Berechnungen und Regeln“. Nur leider hat diesesmal der „große Bruder“ anders entschieden wie sonst. Und plötzlich standen der sogenannte „DIWAN“ und die IGMG, zusammen mit Ägypten, Jordanien und dem Sudan auf der ganzen Welt ziemlich alleine da! Nur gut, dass man sich auf die „Berechnungen und Regeln“ des sogenannten „DIWAN“ verlassen kann, der ganze Rest der Welt muss ja bekloppt sein… Man möchte sich an den Kopf greifen! Was sollen denn das für „Berechnungen“ sein? Sogar auf der ZMD-Webseite war zuvor der Ramaḍān-Beginn für Montag angekündigt gewesen, das wurde dann aber schnell „korrigiert“. Werden die ominösen „Regeln“ des sogenannten „DIWAN“ also je nach Bedarf umgeworfen und neu definiert? Wem wollte man sich da vorauseilend und unterwürfig anbiedern? Warum faselt man etwas von absurden „Berechnungen“? Warum sagt man nicht einfach: „Wir folgen mit unserer Entscheidung der Entscheidung von XY (da wir selbst keine Ahnung haben, aber das möchten wir ja nicht unbedingt laut sagen)“? Es ist nicht zu fassen, was für eine Verantwortung für den falschen Fastenbeginn vieler ahnungsloser Muslime in Deutschland dieser sogenannte „DIWAN“ bedenkenlos auf sich lädt. Allāh (t) wird zu Seiner Zeit darüber richten, und dann möchte man nicht in deren Haut stecken. Man kann nur hoffen, dass alle Muslime in Deutschland möglichst bald erkennen, mit welchen verantwortungslosen Dilettanten sie es da zu tun haben.

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