Wann ist `Îdu l-Fitr (Ramazan Bayramı) 1426 n.H.?

1. Die astronomischen Gegebenheiten zum Beginn des Monats Šawwāl 1426 n.H.

Der geozentrische Neumond tritt ein am Mittwoch, dem 2. November 2005 um 1:26 Uhr UT (d.h. 2:26 Uhr MEZ). Nach exakten astronomischen Berechnungen ist eine Beobachtung der jungen Mondsichel an diesem Tag in Asien, Europa, fast ganz Afrika und Nordamerika völlig unmöglich. Im äußersten Süden Afrikas und in Mittel- und Südamerika kann eine Beobachtung mit Teleskopen oder optischen Hilfsmitteln möglich sein, nur im Südpazifik wäre eine Beobachtung mit bloßen Augen möglich. Vgl. graphische Darstellung der Sichtbarkeitszone für den 2. November nach dem Yallop-Kriterium, Quelle: Programm MoonCalc von Dr. Monzur Ahmed, GB – siehe hier. Die Berechnung der Sichtbarkeitszonen über das Yallop-Kriterium beruht auf der Auswertung von mehreren Hundert Sichtungen oder Nicht-Sichtungen des Hilāls während der vergangenen 140 Jahre.

Sichtbarkeitszone Shawwâl 1426/1

(Erläuterung der Sichtbarkeitszonen: A – Hilāl mit bloßen Augen leicht zu sichten; B – Sichtung mit bloßen Augen ist nur unter günstigen Bedingungen zu erwarten; C – Es werden optische Hilfsmittel (z.B. Fernglas) benötigt, um den Hilāl am Himmel aufzufinden, danach kann Sichtung mit bloßen Augen möglich sein; D – Hilāl kann nur mit starken optischen Hilfsmitteln aufgefunden und gesehen werden; Außerhalb der Zonen A-D – kein Sichten des Hilāls mit bloßen Augen oder mit optischen Hilfsmitteln möglich.)

Am darauf folgenden Donnerstag, dem 3. November kann dann erwartet werden, dass der Hilāl bei geeigneten Wetterbedingungen von fast allen Gebieten der Erde aus gesehen werden kann. Auch in Europa und Süddeutschland könnten Beobachtungen mit optischen Hilfsmitteln gelingen. Vgl. graphische Darstellung der Sichtbarkeitszone für den 3. November nach dem Yallop-Kriterium:

Sichtbarkeitszone Shawwâl 1426/2

(Erläuterung der Sichtbarkeitszonen: Siehe oben) Interessant ist hier, dass der Mond in Arabien, Afrika und Europa also frühestens ca. 37-39 Stunden nach Neumond gesichtet werden kann, und in Nordamerika beträgt das Mondalter bei der frühesten möglichen Sichtung bereits über 45 Stunden! Das Mondalter ist also kein geeignetes Kriterium zur Mondsichtung, nur ein zu geringes Mondalter kann zur Ablehnung unmöglicher Behauptungen dienen (das kürzeste Mondalter, das je eine Sichtung mit bloßem Auge ermöglichte, betrug 15 Stunden und 33 Minuten).

Unter Anwendung des Prinzips der „lokalen Sichtung“ (Ikhtilāfu l-maṭāli`) und unter Betrachtung von Europa als einen zusammenhängenden Sichtungshorizont (Maṭla`) ergibt sich somit folgende Stellungnahme:

Die astronomischen Daten weisen darauf hin, dass der Monat Šawwāl 1426 n.H. in Europa mit Sonnenuntergang des 3. November beginnt, der erste Tag des Fastenbrechen-Festes (`Īdu l-̣tr, Ramazan bayramı) fällt also auf Freitag, den 4. November 2005, in šā’a-Llāh.

Anmerkung: Unter Anwendung des Prinzips der „globalen Sichtung“ (Ittiḥādu l-maṭāli`) könnte nur bei Vorliegen von (unwahrscheinlichen) Sichtungsmeldungen aus Südamerika der erste Tag des Šawwāl bereits einen Tag früher stattfinden. Um Fragen zuvorzukommen hier noch einige Erläuterungen dazu:

Das Prinzip der „globalen Sichtung“ bedeutet, dass eine (mögliche) Beobachtung z.B. auf Inseln in der Südsee an einem bestimmten Tag für die ganze Welt zu gelten hätte. Aber was bedeutet denn sowas in der Praxis?

Der Hilâl ist an einem bestimmten Ort immer nur in der Zeit während und kurz nach Sonnenuntergang zu beobachten. Der Erde ist aber rund und die Sonne geht nicht für die ganze Welt zur gleichen Zeit unter (das wäre nur so, wenn die Erde flach wäre). Jedesmal, wenn man 15 Längengrade weiter westlich geht, geht die Sonne eine Stunde später unter. Irgendwelche Inseln in der Südsee liegen aber vielleicht 150 oder 180 Längengrade westlich von uns, d.h. die Sonne geht dort erst 10 oder 12 Stunden später unter als in Europa. Bei uns ist es dann vielleicht schon 5 oder 6 Uhr am nächsten Morgen. Wenn es jetzt noch ein oder zwei Stunden dauert, bis ein Mondsichter auf der Südsee-Insel seinen Imam informiert hat, und der wieder telefoniert hat, usw., dann sind nochmal einige Stunden vergangen, bis das bei uns einer erfährt. So, und dann ist in Europa bereits 8 oder 9 Uhr am Vormittag, und was heißt das für die Muslime, die bis dahin noch nicht wissen, ob sie jetzt noch fasten oder schon in der Moschee zum Festgebet stehen sollten…?

Wegen dieser Probleme lehnen viele Gelehrte das Prinzip der „globalen Sichtung“ ab, weil es in der Realität eigentlich nicht in jedem Fall praktikabel ist. Auch zur Zeit des Propheten und der ersten Khalifen gibt es Belege dafür, dass in Madina und in Makka nicht am gleichen Tag das Opferfest begangen wurden, obwohl genügend Zeit gewesen wäre, sich mit Boten gegenseitig abzustimmen. Das spricht also eher für das Prinzip der „lokalen Sichtung“.

Hinweis: Über den unten stehenden Link geht es zur deutschen Übersetzung der offiziellen Stellungnahme der Arabischen Union für Astronomie und Weltraumwissenschaften (AUASS) zum Šawwāl-Beginn.

2. Stellungnahme der AUASS zum Shawwâl-Beginn (Deutsche Übersetzung)

Der folgende Text ist die Übersetzung einer offiziellen Stellungnahme der Arabischen Union für Astronomie und Weltraumwissenschaften (AUASS) zum Šawwāl-Beginn. Der arabische Original-Text kann hier im PDF-Format eingesehen werden.

Arabische Union für Astronomie und Weltraumwissenschaften (AUASS)

Im Namen Allāhs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Der Ramaḍān hat in diesem Jahr 30 Tage

Ing. Muhammad Šawkat `Odeh
Vizepräsident des Komitees für die Neumonde, Kalender, und Zeitbestimmung bei der Arabischen Union für Astronomie und Weltraumwissenschaften

Die astronomischen Berechnungen weisen darauf hin, dass die Dauer des Ramaḍān in diesem Jahr 30 Tage betragen wird, denn die geozentrische Konjunktion des Monats Šawwāl wird sich am Mittwoch, dem 2. November um 1:25 Uhr (UT) nachts ereignen. Was diejenigen Staaten betrifft, die ihr Ṣawm-Fasten am Dienstag, dem 4. Oktober begannen, so wird in ihnen der Tag der Ausschauhaltung nach dem Šawwāl-Hilāl Dienstag, der 29. Ramaḍān bzw. 1. November sein, und an diesem Tag wird eine Sichtung des Hilāls in allen Staaten der Welt unmöglich sein, da der Mond vor der Sonne untergeht und wegen des Staatfindens der Konjunktion nach Sonnenuntergang. Folglich müssen diese Staaten ihr Ṣawm-Fasten am Mittwoch vervollständigen und Donnerstag, der 3. November ist in ihnen der Erste der Tage des glücklichen Fastenbrechen-Festes, wegen der Vervollständigung des Ramaḍān mit 30 Tagen. Was diejenigen Staaten betrifft, die ihr Ṣawm-Fasten am Mittwoch, dem 5. Oktober begannen, und zu ihnen zählen: Indonesien, Malaysia, Iran, Türkei, das Sultanat Oman, Tunesien und Marokko, so wird in ihnen der Tag der Ausschauhaltung nach dem Šawwāl-Hilāl Mittwoch, der 29. Ramaḍān bzw. 2. November sein. An diesem Tag ist eine Sichtung des Hilāls nicht möglich vom gesamten Kontinent Asien und Europa, dem größten Teil des Kontinents Afrika, und dem Kontinent Nordamerika, während eine Sichtung des Hilāls am Mittwoch nur mit einem Teleskop vom äußersten Süden des Kontinents Afrika, Mittel- und Südamerika möglich ist. Mit dem bloßen Auge ist eine Sichtung des Hilāls unter Schwierigkeiten zu erwarten von den westlichen Teilen des Kontinents Südamerika, und mit Leichtigkeit im Pazifik. Weil eine Sichtung des Hilāls am Mittwoch nicht möglich ist von allen arabischen und islamischen Staaten, ist zu erwarten, dass diese Staaten ihr Ṣawm-Fasten am Donnerstag vervollständigen und Freitag, der 4. November ist in diesen Staaten der Erste der Tage des glücklichen Fastenbrechen-Festes. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass das Fastenbrechen-Fest in Libyen am Mittwoch sein wird, da Libyen nicht die Sichtung des Hilāls zur Grundlage nimmt, sondern das Stattfinden der Konjunktion vor der Morgendämmerung zur Bedingung macht, wie es offiziell bekannt gab.

Wenn man einen Blick wirft auf die Situation des Mondes am Dienstag in einigen islamischen Staaten, so wird der Mond in der Stadt Abū Ẓaby 30 Minuten vor der Sonne untergehen, und sein Alter beträgt minus 10 Stunden und 30 Minuten. In der Stadt Makka al-Mukarrama wird der Mond 28 Minuten vor der Sonne untergehen und sein Alter wird minus 10 Stunden und 38 Minuten sein. In der Stadt `Ammān wird der Mond 28 Minuten vor der Sonne untergehen und sein Alter wird minus 10 Stunden und 32 Minuten sein. In der Stadt Kairo wird der Mond 28 Minuten vor der Sonne untergehen und sein Alter wird minus 10 Stunden und 16 Minuten sein. In Rabat wird der Mond 25 Minuten vor der Sonne untergehen und sein Alter wird minus 7 Stunden und 49 Minuten sein. Folglich ist eine Sichtung des Hilāls am Dienstag unmöglich von allen Staaten der Welt.

Was den Mittwoch betrifft, so wird der Mond in der Stadt Abū Ẓaby 8 Minuten nach der Sonne untergehen, und sein Alter beträgt 12 Stunden und 19 Minuten. In der Stadt Makka al-Mukarrama wird der Mond 11 Minuten nach der Sonne untergehen und sein Alter wird 13 Stunden und 22 Minuten sein. In der Stadt `Ammān wird der Mond 6 Minuten nach der Sonne untergehen und sein Alter wird 13 Stunden und 27 Minuten sein. In der Stadt Kairo wird der Mond 7 Minuten nach der Sonne untergehen und sein Alter wird 13 Stunden und 43 Minuten sein. In Rabat wird der Mond 8 Minuten nach der Sonne untergehen und sein Alter wird 16 Stunden und 10 Minuten sein. Natürlich sind alle diese Werte nicht ausreichend um eine Sichtung des Hilāls selbst unter Verwendung der größten Teleskope zu ermöglichen, denn die kürzeste Verweildauer des Hilāls [nach Sonnenuntergang], die je eine Sichtung mit Teleskopen ermöglichte, war 29 Minuten, und zwar am 20. September 1990 in Palästina, und Allāh, der Erhabene, weiß es am besten.

(c) Übersetzung aus dem Arabischen: Gerhard Aḥmad Kaufmann

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