Zum Inhalt

CCD-Technik, Stacking und ihre Rolle bei der Mondsichtung

In der modernen Astronomie gibt es verschiedene technische Methoden, um lichtschwache Objekte sichtbar zu machen. Besonders wichtig sind hier CCD-Kameras (Charge-Coupled Device) und die Technik des Stackings.

Was bedeutet CCD-Technik?

CCD-Kameras sind extrem lichtempfindliche Sensoren, die in der Astrofotografie eingesetzt werden. Sie können Strukturen und Himmelskörper abbilden, die für das menschliche Auge noch unsichtbar sind.

Was bedeutet Stacking?

Beim Stacking werden viele einzelne Aufnahmen übereinandergelegt und rechnerisch verarbeitet. Dadurch erscheinen Objekte sichtbar, die in einer einzelnen Aufnahme oder mit bloßem Auge noch nicht erkennbar wären. Auf diese Weise kann sogar eine Mondsichel sichtbar gemacht werden, die in Wirklichkeit noch nicht beobachtbar ist.

(Exemplarisches Video)

Mondsichtung zwischen Sunnah und moderner Technik

Die islamische Regelung zur Feststellung des Monatsbeginns basiert auf der tatsächlichen Sichtung der Mondsichel.

  • Primäre Methode: Die Sichtung mit dem bloßen Auge
    • Das ist die ursprüngliche Sunnah und die klare Grundlage in der Scharia.
  • Sekundäre Methode: Die Verwendung von Ferngläsern oder Teleskopen
  • Unzulässig: Der Einsatz hochentwickelter technischer Hilfsmittel wie CCD-Kameras, Bild-Stacking oder Aufnahmen außerhalb des sichtbaren Lichtspektrums (z. B. Infrarot-, Ultraviolett- oder andere spezielle Sensorbereiche)
    • Solche Methoden können eine Mondsichel sichtbar machen, die für das menschliche Auge real noch nicht wahrnehmbar ist und damit ein Bild erzeugen, das über die menschliche Wahrnehmung hinausgeht.
    • Zusätzlich führt insbesondere das Stacking dazu, dass die Mondsichel künstlich „verdickt“ erscheint. Ursache dafür ist die Eigenbewegung des Mondes relativ zur Erde, die von den Sensoren über mehrere Einzelaufnahmen hinweg registriert wird. In Kombination mit längeren Belichtungszeiten und der Überlagerung vieler Bilder entsteht so eine breitere und hellere Sichel, die nicht der tatsächlichen visuellen Erscheinung des Mondes entspricht.
    • Nach unserem Kenntnisstand liegen keine Fatwas vor, die derartige Sichtungen als gültig anerkennen; im Gegenteil haben zahlreiche zeitgenössische (muʿāṣir) Gelehrte solche Beobachtungen als ungültig eingestuft.

Ein Hinweis aus der Sunnah

Der Gesandte Allahs ﷺ sagte:

„Zu den Zeichen der Endzeit gehört, dass die Hilāle groß erscheinen. Man sieht den Hilāl, als wäre er zweitägig, obwohl er nur einen Tag alt ist."
(aṭ-Ṭabarānī, al-Muʿdscham al-Awsaṭ, Nr. 6864; Überliefert von Abū Huraira (r))

Dieser Hadith weist auf eine mögliche Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Alter der Mondsichel und ihrer Wahrnehmung hin. Wie dies genau zu verstehen ist, bleibt offen. Er kann jedoch allgemein als Mahnung verstanden werden, bei der Hilāl-Sichtung vorsichtig zu sein und künstliche Übertreibungen der Erscheinung zu vermeiden.

Gerade nach der Vervollständigung eines Monats auf 30 Tage kommt es häufig zu Einwänden wie: „Die Mondsichel sieht doch schon wie eine zweitägige aus.“ Solche Aussagen beruhen jedoch auf einem Missverständnis, da die sichtbare Dicke der Mondsichel keinen verlässlichen Rückschluss auf den Monatsanfang zulässt, sondern stark von astronomischen und atmosphärischen Bedingungen abhängt.

Ausführlicher haben wir diesen Punkt im Beitrag Die sichtbare Dicke der Mondsichel und ihre Bedeutung für den Monatsanfang erläutert.

Fazit

Die astronomische Technik ist für die Wissenschaft von großem Nutzen. Für die islamische Bestimmung des Monatsbeginns bleibt jedoch die reale Sichtung der Mondsichel maßgeblich. Optische Hilfsmittel wie Ferngläser und Teleskope werden von einigen Gelehrten auf Grundlage entsprechender Fatwas akzeptiert, da sie die natürliche Sicht nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen. Moderne bildgebende Verfahren wie CCD-Kameras, elektronische Verstärkung oder Stacking gehen hingegen über die menschliche Wahrnehmung hinaus und sind für die religiöse Monatsbestimmung nicht geeignet.

Die Sunnah bleibt somit die Mondsichtung mit den Augen ggf. unterstützt durch einfache optische Hilfsmittel so wie sie dem Grundprinzip der Praxis zur Zeit des Propheten ﷺ entspricht.